LebensUnterhalt startet Anfang September 2026. Ein Interview-Podcast über Arbeit, Geld und die Wendepunkte dazwischen.

In rund max. 40 Minuten, eins zu eins, erzählen Menschen, wovon sie leben — und was sie hält, wenn genau das wegbricht. Jobverlust und Neuanfang. Kündigung, Neustart. Berufe, die durch Künstliche Intelligenz verschwinden. Pflege im Nachtdienst. Bürgergeld. Selbstständigkeit zwischen guten und leeren Monaten, heikle Jobs.

Kein Coaching, kein Ratgeber. Wir fragen nach, wir hören zu, wir lassen stehen, was gesagt wurde.

Jede Woche eine neue Folge.

Folgt jetzt, dann seid ihr am ersten Tag dabei.

Ein Podcast von Silvia Janzen und Dorothee Dahinden — Die Botschafterinnen.

Kein Chef von gestern: Stefan Wolters über gutes Handwerk und Führung auf Augenhöhe

Shownotes

Kein Chef von gestern: Stefan Wolters über gutes Handwerk und Arbeit auf Augenhöhe

Eine 30-Stunden-Woche, faire Bezahlung und ein Chef, der sagt: „Seid einfach, wie ihr seid.“ Tischlermeister Stefan Wolters erzählt, wie er seine Tischlerei Prototyp in Kiel führt – und warum er nach eigener Aussage keine Schwierigkeiten hat, Menschen für sein Team zu gewinnen.

Mit Doro und Silvia spricht Stefan über Erfahrungen aus seiner eigenen Ausbildung, Respekt im Handwerk und die Frage, warum Azubis Unterstützung brauchen statt blöder Sprüche. Für ihn gehört dazu auch, Mitarbeitende bei ihrer Meisterausbildung zu unterstützen.

Außerdem geht es um Möbel mit Persönlichkeit, Qualität statt kurzlebiger Trends und den Wert guter handwerklicher Arbeit. Welche Rolle spielt KI bereits beim Entwerfen? Warum kostet ein individuelles Möbelstück mehr als Material und Arbeitszeit? Und was hat Meister Eder mit Stefans Berufswahl zu tun?

Darüber sprechen wir:

  • Führung auf Augenhöhe und Zusammenhalt im Team

  • Die 30-Stunden-Woche in Stefans Betrieb

  • Ausbildungsbedingungen, Bezahlung und Wertschätzung

  • Weiterbildung ermöglichen und Nachwuchs halten

  • Individueller Möbelbau und langlebige Einrichtung

  • KI-Entwürfe und die Grenzen digitaler Planung

  • Frauen im Tischlerhandwerk und überholte Rollenbilder

Unser Gast

Stefan Wolters ist Tischlermeister und Inhaber der Tischlerei Prototyp in Kiel. Sein Betrieb gestaltet individuelle Möbel und Einrichtungslösungen – von der ersten Idee bis zur Umsetzung.

Tischlerei Prototyp – mehr über Stefan und seinen Betrieb

Zum Weiterlesen: acht Quellen zu den Themen der Folge

1. Wie zufrieden sind Auszubildende wirklich?
Der DGB-Ausbildungsreport 2026, veröffentlicht am 20. August 2026, untersucht Ausbildungsqualität und mentale Gesundheit. 65,7 Prozent der Befragten sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden; 50,6 Prozent fühlen sich psychisch belastet. Bei den befragten Tischler-Azubis geben nur 36,7 Prozent an, einen betrieblichen Ausbildungsplan erhalten zu haben. Der Report macht deutlich, wie wichtig verlässliche Betreuung und gute Ausbildungsbedingungen sind. Die Ergebnisse betreffen die untersuchten Ausbildungsberufe, nicht ausschließlich das Handwerk.

DGB-Ausbildungsreport 2026 – vollständiger Bericht

2. Viel Berufsstolz – aber zu wenig Anerkennung
Die am 13. März 2026 veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der IKK classic zeigt: 84 Prozent der befragten Handwerkerinnen sind stolz auf ihren Beruf, 77 Prozent macht ihre Arbeit glücklich. Gleichzeitig erleben nur 61 Prozent ausreichend Wertschätzung in ihrem Umfeld. Befragt wurden 504 Erwerbstätige in Handwerksberufen im November 2025. Die Ergebnisse beziehen sich auf das Handwerk insgesamt, nicht speziell auf Tischlerinnen.

IKK classic – Handwerkerstolz und Wertschätzung

3. Sind Fachkräfte im Holz- und Möbelbereich gefragt?
Die KOFA-Analyse vom 28. Juli 2026 beschreibt anhaltende Fachkräfteengpässe im Handwerk. Für 2025 konnten rechnerisch knapp 100.000 offene Stellen in Handwerksberufen nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. Auch der Holz-, Möbel- und Innenausbau weist laut Analyse weiterhin Fachkräftemangel auf – bei gleichzeitig rückläufigen Ausbildungsmarktkennzahlen. Gute Chancen hängen dennoch von Region, Spezialisierung und Betrieb ab.

KOFA – Handwerk: Ausbildung zwischen Krise und Renaissance

4. Mehr neue Ausbildungsverträge im Handwerk
Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks vom 20. Juli 2026 wurden zwischen Januar und Juni knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge eingetragen: 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Zwischenstand für das gesamte Handwerk, keine gesonderte Tischlerstatistik. Die Veröffentlichung behandelt außerdem die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung.

ZDH – Ausbildungszahlen und Gleichwertigkeit beruflicher Bildung

5. Tischler*in werden: Tätigkeiten, Ausbildung und Vergütung
Der BERUFENET-Steckbrief der Bundesagentur für Arbeit, Stand 1. Oktober 2026, erklärt die dreijährige duale Ausbildung. Zum Beruf gehören Kundenberatung, Entwurf, Fertigung, Montage und Reparatur. Einsatzmöglichkeiten bestehen unter anderem im Möbelbau, Innenausbau, Messebau und in Theaterwerkstätten. Der Steckbrief nennt auch beispielhafte Ausbildungsvergütungen nach Ausbildungsjahr und Bundesland.

Bundesagentur für Arbeit – Beruf Tischler*in

6. Nach der Gesellenprüfung ist noch lange nicht Schluss
Der Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland stellt auf seiner aktuell abrufbaren Berufsseite verschiedene Karrierewege vor: Meisterausbildung, Holztechnik, Gestaltung und weitere Fortbildungen. Eine hilfreiche Orientierung für alle, die mehr Verantwortung übernehmen oder sich fachlich weiterentwickeln möchten.

Tischler Schreiner Deutschland – Karriere nach der Ausbildung

7. Meisterschule und Aufstieg finanzieren
Das offizielle Aufstiegs-BAföG-Portal des Bundes erläutert die Förderung von Fortbildungen, etwa zum Meister oder zur Technikerin. Förderfähig sind unter bestimmten Voraussetzungen Angebote in Vollzeit und Teilzeit. Wichtig: Kurs und persönliche Förderbedingungen vor der Anmeldung prüfen.

Aufstiegs-BAföG – welche Fortbildungen gefördert werden

8. Unterstützung für Weiterbildung und Umschulung
Die Bundesagentur für Arbeit erklärt die Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein und weitere Fördermöglichkeiten. Auch Beschäftigte können unter bestimmten Bedingungen Unterstützung erhalten. Ob eine Förderung möglich ist, wird individuell geprüft; sie gilt nicht automatisch für jeden Kurs.

Bundesagentur für Arbeit – Bildungsgutschein und Weiterbildungsförderung

Weiterbildungstipps für Tischler*innen und das Handwerk

  • Meisterausbildung: Für alle, die ausbilden, einen Betrieb führen oder mehr Verantwortung übernehmen möchten.

  • Staatlich geprüfte Holztechnik: Für Aufgaben in Konstruktion, Fertigungsplanung und Arbeitsvorbereitung. Die konkreten Zugangsvoraussetzungen bei der jeweiligen Fachschule prüfen.

  • CAD und CNC: Sinnvolle Ergänzungen für digitale Planung und Fertigung. Am besten einen Kurs wählen, der zu den eingesetzten Programmen und Maschinen passt.

  • Gestaltung oder Restaurierung: Für Menschen, die sich auf Entwurf, besondere Materialien oder den Erhalt bestehender Möbel spezialisieren möchten.

  • Kaufmännische Weiterbildung: Kalkulation, Projektsteuerung und Betriebsführung helfen, gute Arbeit wirtschaftlich tragfähig anzubieten.

Unser Tipp: Erst das berufliche Ziel klären, dann Kurse vergleichen. Die Ausbildungs- und Weiterbildungsberatung der Handwerkskammer oder Innung kann bei der Auswahl helfen. Finanzierung und Freistellung frühzeitig mit dem Betrieb besprechen.

Einordnung zu einer Zahl im Gespräch

In der Folge fällt die Aussage, 56 Prozent der Azubis seien unzufrieden. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 weist hingegen 65,7 Prozent zufriedene oder sehr zufriedene Befragte aus. Die übrigen Befragten sind nicht automatisch unzufrieden; dazu gehören auch teilweise Zufriedene. Ausbildungszufriedenheit und psychische Belastung sind unterschiedliche Kennzahlen.

LebensUnterhalt – mit Dorothee Dahinden und Silvia Janzen 
Über das, wovon wir leben, und das, was uns im Leben trägt.

Ein herzliches Danke an Olli Ujc für Deine Geduld, deine Schnelligkeit, den Schnitt und die Beratung. Und ein ebenso herzlches Dankeschön an den OKSH Mediahub Kiel, ihr seid ein wundervolles Team! Hier dürfen wir den Podcast produzieren. 

Die verlinkten Quellen ergänzen das Gespräch. Sie wurden am Zeitpunkt der Veröffentlichung überprüft auf Richtigkeit. Für spätere Änderungen etc. sind die jeweiligen Organisationen verantwortlich. Wir übernehmen keine HAftung, Verantortung für Links.

Persönliche Erfahrungen unseres Gastes sind keine repräsentativen Aussagen über die gesamte Branche.

Recherche-Stand: 7. Oktober 2026.

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